Genuss oder Sucht?

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Legalize it?
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pixabay

Liebe Konsumierende,

wie steht es denn um euren Konsum? Seid ihr noch im Genuss oder schon im risikoreichen Konsum oder gar in der Sucht? Eine Thematik und Problematik, die noch immer mit einer starken Stigmatisierung einhergeht und bei der Bevölkerung oft mit Bildern von „Junkies“ assoziiert wird. Dem ist jedoch nicht so. Eine von sieben Personen in Deutschland ist süchtig (und diese Zahlen sind oft vergleichbar mit jenen aus Österreich). Illegale Drogen spielen dabei eine untergeordnete Rolle, denn Süchte betreffen in erster Linie legale Drogen.

In unserer Arbeit sind wir oft mit Jugendlichen konfrontiert, die Alkohol oder Zigaretten nicht als Drogen wahrnehmen. Besonders ersteres ist in unserer Kultur verankert und der Konsum wird kaum reflektiert. Dies kann dazu führen, dass anlassbezogene Verhaltensweisen in den Alltag übernommen werden und eine schleichende Suchtentwicklung stattfindet. Daher sind wir der Meinung, dass gerade das Schaffen eines Reflexionssettings in unserer Arbeit sehr wichtig ist. Junge Menschen sollen dazu angeregt werden, über ihren eigenen Konsum nachzudenken und auch die Gefahren von legalen Drogen richtig einschätzen zu können. Das Erlangen von Wissen und stetige Verhaltensreflektion ist das wichtigste Mittel gegen eine Suchtentwicklung und führt zu einer konsumkompetenten Gesellschaft.

Wir arbeiten dafür, dass der Konsum weiterhin Spaß macht sowie Genuss bleibt und nicht zu einem Zwang wird.

Daniel mit dem Team

 

Und dieser Artikel von drugcom.de interessiert uns diesen Monat:

Die meisten Suchtmittelabhängigen nehmen legale Drogen

25.09.2019

Etwa eine von sieben Personen in Deutschland ist abhängig von mindestens einer Droge. In den meisten Fällen handelt es sich um Alkohol, Tabak oder Medikamente.

„In industrialisierten Ländern wird fast jede zweite Gewalttat unter Alkoholeinfluss verübt“, warnen Andreas Heinz und Shuyan Liu von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Charité in Berlin. In ihrem Editorial zu aktuell veröffentlichen Zahlen zum Suchtmittelkonsum in Deutschland machen sie deutlich, dass legal erhältliche Drogen erhebliche Risikofaktoren für die Volksgesundheit darstellen. Die Zahlen wurden in zwei Artikeln von Forscherinnen und Forschern des Münchner Instituts für Therapieforschung (IFT) vorgelegt.

Tabak spielt größte Rolle beim Thema Abhängigkeit

Seit 1995 wird der Suchtmittelkonsum der erwachsenen Bevölkerung etwa alle drei Jahre im Rahmen einer repräsentativen Studie, dem Epidemiologischen Suchtsurvey, untersucht. Seit Beginn der Erhebungen steht Tabak an der Spitze der Abhängigkeitserkrankungen. Im Laufe der Jahre hat das Tabakrauchen zwar abgenommen, weiterhin sind Zigaretten aber für die meisten Abhängigkeitserkrankungen und Folgeschäden verantwortlich.

14,4 Millionen Männer und Frauen rauchen zumindest hin und wieder. Das sind 28 Prozent der Bevölkerung. Täglich greifen knapp acht Millionen Menschen zu Zigaretten. Bei 9 Prozent der erwachsenen Bevölkerung liegt eine Tabakabhängigkeit vor. Nach Schätzungen der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen sterben jährlich 121.000 Menschen in Deutschland vorzeitig an den Folgen des Rauchens.

Zu wenige alkoholabhängige Menschen suchen Hilfe

Beim Alkoholkonsum zeichnet sich zwar ebenfalls eine abnehmende Tendenz ab, aktuell gelten aber immer noch 1,6 Millionen Deutsche als alkoholabhängig. Deutschland zählt im internationalen Vergleich zu den Hochkonsumländern, was die Autorinnen und Autoren der Studie vor allem auf die leichte Verfügbarkeit von Alkohol zurückführen. Problematisch sei zudem, dass nur 16 Prozent der Personen mit einer Alkoholabhängigkeit die Hilfe einer Beratungsstelle oder Klinik in Anspruch nehmen, um ihren Alkoholkonsum einzustellen oder zu reduzieren.

Schmerzmittelabhängigkeit auf Niveau wie Alkoholabhängigkeit

Zahlen zur Abhängigkeit von Medikamenten deuten ebenfalls auf ein gewaltiges Problem in Deutschland hin. Zwar werden tendenziell weniger Beruhigungs- und Schlafmittel eingenommen, für Schmerzmittel geht der Trend aber nach oben. Aktuell gelten rund 1,6 Millionen Menschen als abhängig von Schmerzmitteln.

Der ansteigende Trend beim Schmerzmittelverbrauch sei nach Analysen des Forschungsteams jedoch nicht, wie in den USA, auf opioidhaltige Schmerzmittel zurückzuführen. Vielmehr würden andere rezeptpflichtige und frei verkäufliche Schmerzmittel wie Paracetamol zu dem Anstieg beitragen. So könne ein unsachgemäßer Gebrauch von Schmerzmitteln medikamentenbedingte Kopfschmerzen verursachen, die zur Einnahme weiterer Schmerzmittel führen.

Steigende Tendenz bei Cannabiskonsum

Unter den illegalen Drogen zeichnet sich für den Konsum von Cannabis ein ansteigender Trend ab. Aktuell haben 3,7 Millionen Menschen oder 7 Prozent der erwachsenen Bevölkerung in den letzten 12 Monaten mindestens einmal Cannabis konsumiert. 1995 hatten schätzungsweise 5 Prozent der Männer Cannabis konsumiert, 2018 waren es 10 Prozent. Bei den Frauen ist im gleichen Zeitraum ein Anstieg von 2 auf 6 Prozent zu verzeichnen.

Jedoch liegt nur bei unter einem Prozent der Bevölkerung eine Cannabisabhängigkeit vor. Hochgerechnet sind schätzungsweise 309.000 Personen betroffen. Andere illegale Drogen spielen eine noch kleinere Rolle. Geschätzt wird, dass 103.000 Personen von Amphetaminen und 41.000 von Kokain abhängig sind.

Insgesamt weisen 14 Prozent der Bevölkerung mindestens eine Abhängigkeitserkrankung auf. Nach Einschätzung von Heinz und Liu seien insbesondere beim Thema Medikamentenabhängigkeit mehr Forschung und Prävention notwendig.

Quellen:

  • Atzendorf, J., Rauschert, C, Seitz, N.-N., Lochbühler, K. & Kraus, L. (2019). Gebrauch von Alkohol, Tabak, illegalen Drogen und Medikamenten. Deutsches Ärzteblatt, 116(35), 577-584.
  • Heinz, A. & Liu, S. (2019). Suchterkrankungen in Deutschland. Deutsches Ärzteblatt, 116(35-36), 575-576.
  • Rummel, C., Lehner, B. & Kepp, J. (2019). Daten, Zahlen und Fakten. In Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e. V. (Hrsg.), Jahrbuch Sucht 2019 (S. 11-35). Lengerich: Pabst Science Publishers.
  • Seitz, N.-N., Lochbühler, K., Atzendorf, J., Rauschert, C., Pfeiffer-Gerschel, T. & Kraus, L. (2019). Trends des Substanzkonsums und substanzbezogener Störungen. Deutsches Ärzteblatt, 116(35-36), 585-591.

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