Legalize it?

Genuss oder Sucht?
1. Oktober 2019
Synthetisches Cannabinoid – wenn Cannabis gefährlich wird…
12. November 2019

Liebe Kritiker*innen,

im heutigen Newsletterbeitrag möchten wir uns auf einen aktuellen Kommentar in der deutschen Zeitung die Zeit beziehen. Frieda Thurm fordert darin die Politik auf, sich für eine komplette Legalisierung sämtlicher Drogen einzusetzen. Dies sieht sie – im Hinblick auf die Situation im Berliner Görlitzer Park – als einzigen Weg zur Verhinderung weiterer Drogenkriminalität und zur Entlastung der behördlichen Arbeit der Polizei.

Dies ist eine Thematik die seit einigen Jahren immer wieder medial präsent ist. In den ersten europäischen Ländern sind Drogen entkriminalisiert – Portugal gilt dabei als Vorreiter. Seit der Gesetzesänderung 2001 kam es dort zu einem Rückgang des Konsums und der Drogentoten. Die größte Veränderung erfährt jedoch die Kriminalstatistik. Durch die derzeitige Gesetzgebung wird Drogenkonsum in Österreich zu einem strafrechtlichen Delikt. Dies bedeutet eine extreme Belastung für die umsetzenden Behörden und lenkt auch davon ab, dass es sich dabei eigentlich um ein gesundheitliches Problem handelt und nicht vordergründig um ein Kriminalproblem. Die Installierung verschiedener Paragraphen – wie jenem der „Therapie statt Strafe“ – zollt diesem Umstand bereits Tribut, führt aber nicht zu einer Entlastung der Exekutive. Eine Legalisierung hat neben einer behördlichen Erleichterung auf jeden Fall den Vorteil, dass durch die Einnahme von Steuern gesundheitspolitische Maßnahmen gefördert werden können, die sich der Prävention und der bestmöglichen Behandlung Drogensüchtiger widmen. Dem wird meist die Annahme entgegengestellt, dass durch eine Legalisierung der Konsum gefördert wird, da die ausgegebenen Substanzen einer Qualitätskontrolle unterliegen. Ob diese Befürchtungen berechtigt sind, wird sich in den nächsten Jahren zeigen, wenn erste Langzeitdaten aus Ländern zur Verfügung stehen, die mittlerweile (zumindest) den Konsum von Cannabis legalisiert haben.

Derzeit scheint es in Österreich nicht den politischen Willen oder Mut zu geben, sich mit dieser Thematik ernsthaft auseinanderzusetzen. Wir sind gespannt, ob sich das in den kommenden Jahren ändern wird.

Daniel mit dem  Team

 

Und dieser Artikel von drugcom.de interessiert uns diesen Monat:

Cannabis und Tabak: eine enge Verbindung

Oktober 2019

Kiffen und Tabakrauchen, das passt offenbar ziemlich gut zusammen. Wer kifft, raucht meist auch Tabak. Und wer mit dem Kiffen aufhören will, dem kommt nicht selten das Rauchen in die Quere.

Wer kifft, inhaliert verbrannten Cannabis. Meist im Joint, manchmal auch in der Bong. Was dabei häufig unerwähnt bleibt: Oft wird noch Tabak untergemischt. Viele Cannabiskonsumierenden rauchen ohnehin regelmäßig Zigaretten. Cannabis und Tabak scheinen offenkundig eine enge Verbindung einzugehen. Die Risiken des Konsums werden jedoch unterschiedlich bewertet. Während viele Cannabiskonsumierende das Kiffen als eher harmloses Freizeitvergnügen betrachten, wird das Tabakrauchen deutlich kritischer gesehen.

Cannabis wird von Konsumierenden gerne als „natürliche“ Substanz bezeichnet oder sogar als „gesund“ wahrgenommen. Die Schädlichkeit des Rauchens wird hingegen kaum jemand anzweifeln, da die Botschaften aus den Aufklärungskampagnen der letzten Jahrzehnte mittlerweile in das Allgemeinwissen eingesickert sind. Das Wissen um die gesundheitlichen Gefahren hat wohl auch dazu beigetragen, dass das Rauchen in vielen Ländern deutlich auf dem Rückmarsch ist. Allerdings scheint dies nicht für Personen zu gelten, die Cannabis konsumieren. In den USA hat der Anteil der Personen, die Cannabis und Tabak mischen, sogar zugenommen. Die Forschung zeigt, dass Cannabis und Tabak offenkundig eine stärkere Allianz eingehen, als sich so manche User eingestehen. Warum ist das so?

Ist Tabak Wegbereiter für Cannabis oder andersherum?

In den meisten Fällen wird die erste Zigarette zeitlich gesehen vor dem ersten Joint geraucht. Der so genannten Gateway-Theorie zufolge öffnet die erste Substanz eine Art Eingangstor (engl. Gateway) zum nachfolgenden Konsum einer anderen Substanz. Zwar gilt es wissenschaftlich als umstritten, ob eine Substanz tatsächlich den Einstieg in eine andere verursachen kann. Für die USA kann zumindest festgestellt werden, dass etwa 50 Prozent der tabakrauchenden Jugendlichen auch Cannabis konsumieren. Das sind 11-mal mehr Cannabiskonsumierende als unter nicht-rauchenden Teens.

Wer sowohl Cannabis konsumiert als auch Tabak raucht, entwickelt zudem mit höherer Wahrscheinlichkeit eine Cannabisabhängigkeit als Personen, die ausschließlich zu Cannabis greifen. Vermutet wird, dass dem Tabak dabei eine Art Vermittlerrolle zukommt. So konnte in einer Studie aus Großbritannien beobachtet werden, dass die Wahrscheinlichkeit, cannabisabhängig zu werden oder zu bleiben, zunimmt, je mehr Tabak die Befragten rauchten. Manche User sind sogar der Ansicht, dass Tabak die Wirkung von Cannabis verstärkt. Im Rahmen einer experimentellen Studie mit nikotinhaltigem und nikotinfreiem Tabak, konnte dieser Effekt allerdings nicht bestätigt werden.

Es gibt auch Fälle, in denen der Einstieg andersherum verläuft. In den USA, wo das Tabakrauchen abnimmt und der Cannabiskonsum ansteigt, gibt es immer mehr Menschen, bei denen die Reihenfolge der Substanzen sich umgekehrt hat. Dafür sprechen die Ergebnisse einer repräsentativen Wiederholungsbefragung. Wer bei der ersten Befragung zwar Cannabis konsumiert, aber noch nie Zigaretten geraucht hatte, ist im Vergleich zu cannabisabstinenten Personen zwei Jahre später mit einer bis zu 7-fach höheren Wahrscheinlichkeit in das Rauchen eingestiegen.

Möglicherweise „profitieren“ sowohl Cannabis als auch Tabak von der Tatsache, dass die Form des Konsums mehr oder weniger gleich ist: Beides wird in der Regel geraucht. Hat sich der Körper erst einmal an das Einatmen von kratzigem Rauch gewöhnt, sinkt die Einstiegsschwelle für das Rauchen einer weiteren Substanz.

Allgemeine Empfänglichkeit für Drogen

Einer anderen Theorie zufolge sind es nicht Substanzen, die den Einstieg in andere Substanzen begünstigen. Vielmehr würden sowohl dem Tabakrauchen wie auch dem Kiffen gemeinsame Risikofaktoren zugrunde liegen, die eine Person generell „anfällig“ machen für Tabak und andere Drogen. Einerseits können unsere Gene dafür verantwortlich sein, dass wir eine Vorliebe für Rauscherfahrungen entwickeln. Andererseits können belastende Faktoren wie psychische Erkrankungen, Missbrauchserfahrungen oder auch ein konsumierender Freundeskreis eine Person dazu verleiten, Drogen auszuprobieren, die gute Gefühle vermitteln.

Wie auch immer Cannabis und Tabak zueinanderfinden, Tatsache ist, dass beide Substanzen oftmals gemeinsam konsumiert werden. Das wird den Konsumierenden meist dann zum Verhängnis, wenn sie mit nur einer Substanz aufhören wollen. Da viele Menschen wissen, dass Tabakrauchen sehr schädlich ist, wollen sie sich gerne von diesem Laster befreien. Die Bereitschaft, mit dem Kiffen aufzuhören, ist allerdings deutlich geringer ausgeprägt.

Ausstieg schwieriger bei Konsum von Cannabis und Tabak

In einer US-amerikanischen Online-Umfrage unter 282 Personen, die rauchten und kifften, gaben 79 Prozent an, den Rauchausstieg schon einmal in Angriff genommen zu haben. Hingegen hatten nur 40 Prozent schon mal versucht, mit dem Kiffen aufzuhören. Wie gesagt, viele Konsumierende betrachten Cannabis als eher harmlose Freizeitdroge.

Das Problem ist, dass der Ausstieg aus der einen Substanz, Auswirkungen auf die andere hat. 50 Prozent der Personen, die mit dem Rauchen aufhören wollten, sagten, dass sie hinterher mehr gekifft haben. Der umgekehrte Fall ist ebenfalls zu beobachten: Wer mit dem Kiffen aufhören will, neigt dazu, verstärkt zu Zigaretten zu greifen. Angenommen wird, dass ausstiegswillige Kiffer bewusst oder unbewusst versuchen, Entzugssymptome mit Tabak zu bekämpfen.

Zudem werden Personen häufiger rückfällig und greifen wieder zum Joint, wenn sie weiter Tabak rauchen. Oder positiv formuliert: Wer es im Zuge seines Cannabisausstiegs schafft, auch mit dem Tabakrauchen aufzuhören, hat mehr Erfolg. Cannabis und Tabak gleichzeitig einzustellen erhöht die Wahrscheinlichkeit, abstinent zu bleiben. Ein wichtiger Grund hierfür ist vermutlich die bereits erwähnte Konsumform. Sowohl Cannabis als auch Tabak werden geraucht und erschweren es damit, Abstand zu finden von alten Konsumgewohnheiten, weil das Rauchen von Zigaretten den Wunsch nach einem Joint wieder aufflammen lässt.

Aus diesem Grund empfehlen manche Forscherinnen und Forscher, beim Ausstieg aus dem Cannabiskonsum auch das Tabakrauchen anzugehen und am besten damit aufzuhören. Allerdings geben sie zu bedenken, dass die Bereitschaft für den gleichzeitigen Ausstieg nicht sehr hoch ist.

Fazit

Cannabis und Tabak können eine starke Allianz eingehen. Wer neben Cannabis auch Zigaretten raucht, entwickelt mit einer höheren Wahrscheinlichkeit eine Cannabisabhängigkeit. Häufig sind Konsumierende sowohl von Cannabis als auch von Tabak abhängig. Wer aus dem Cannabiskonsum aussteigen will, greift oft nicht nur verstärkt zu Zigaretten, sondern erlebt auch häufiger einen Rückfall in den Cannabiskonsum. Forscherinnen und Forscher empfehlen daher, beim Ausstieg aus dem Cannabiskonsum auch das Tabakrauchen anzugehen und möglichst die Abstinenz von beiden Substanzen anzupeilen.

Quellen:

  • Brook, J. S., Lee, J. Y. & Brook, D. W. (2014). Trajectories of Marijuana Use Beginning in Adolescence Predict Tobacco Dependence in Adulthood. Substance Abuse, 36(4), 470-477.
  • Chen-Sankey, J. C., Jewett, B. J., Orozco, L., Duarte, D. A., Dang, K., Seaman, E. L. & Choi, K. (2019). “Hey, I Got to Smoke Some Weed”: Favorable Perceptions of Marijuana Use Among Non-College-Educated Young Adult Cigarette Smokers. Substance Use & Misuse, https://doi.org/10.1080/10826084.2019.1654515.
  • Hindocha, C., Shaban, N. D. C., Freeman, T. P., Das, R. K., Gale, G., Schafer, G., Falconer, C. J., Morgan, C. J. A. & Curran, H. V. (2015). Associations between cigarette smoking and cannabis dependence: A longitudinal study of young cannabis users in the United Kingdom. Drug and Alcohol Dependence, 148, 165-171.
  • Lemyre, A., Poliakova, N. & Bélanger, R. E. (2018). The Relationship Between Tobacco and Cannabis Use: A Review. Substance Use & Misuse. 54(1), https://doi.org/10.1080/10826084.2018.1512623.
  • McClure, E. A., Tomko, R. L., Salazar, C. A., Akbar, S. A., Squeglia, L. M., Herrmann, E., Carpenter, M. J. & Peters, E. N. (2019). Tobacco and cannabis co-use: Drug substitution, quit interest, and cessation preferences. Exp Clin Psychopharmacol, 27(3), 265-275.
  • Weinberger, A., H., Delnevo, C. D., Wyka, K., Gbedemah, M., Lee, J., Copeland, J. & Goodwin, R. D. (2019). Cannabis use is associated with increased risk of cigarette smoking initiation, persistence, and relapse among adults in the US. Nicotine & Tobacco Research, ntz085.

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