Sperrstunde und Zucker – das gibt es Neues

Neues aus der taktisch klug Eventbegleitung: Liebe alle!
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Die taktisch klug APP ist da!
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pixabay

Liebe Partygänger*innen,

anlassbezogen schreibe ich heute über die Sperrstundenkürzung der Vabrik in Röthis. In der und um die Location kommt es regelmäßig zu Vorfällen, die ein Einschreiten der Exekutive erfordern. Gewaltvorfälle, Vandalismus, Lärmbelästigung werden von der Polizeiinspektion Sulz aufgelistet mit der Empfehlung die Sperrstunde auf zwei Uhr nachts zu kürzen. Diesem Vorschlag  ist die Gemeinde Röthis nun nachgekommen.

Was hier bereits im Vorfeld geschehen ist, dass es zu diesem drastischen Schritt kommen musste, ist der Öffentlichkeit nicht bekannt. Jedoch sehen sich in Vorarlberg viele Bar- und Clubbetreiber*innen mit einer ähnlichen Problematik konfrontiert. Das Recht der Anrainer*innen wird oftmals über jenes der Party- oder Jugendkultur gestellt. In vielen Fällen führt dies zur Schließung von Ausgehmöglichkeiten und dadurch zu einem Verlust an Lebensqualität, speziell für junge Menschen in Vorarlberg. Verbote führen zu Frustration und einer Verschiebung der Problematik, werden jedoch oft als Lösung eingesetzt. Dies betrachten wir in der Eventbegleitung sehr kritisch. In einer Gesellschaft, in welcher wir zunehmend den Luxus der Freizeitgestaltung haben, den uns die Automation der Arbeit bringt, ist es wichtig, den Jungen die Möglichkeit zu geben, diese auf ihre Art und Weise zu leben. Hier sprechen wir von gesellschaftlicher Teilhabe und Akzeptanz. Wenn es bei der Gestaltung zu Problemen kommt, sollten diese allen Beteiligten offen gelegt und zur Diskussion freigegeben werden, damit gemeinsam über zukünftige Rahmenbedingungen gesprochen werden kann.

Der Jugend durch Verbote die Stimme zu entziehen, ist eine Entwicklung gegen das demokratische Verständnis. In diesem Sinne verbleibe ich mit den Beastie Boys: „Fight for your right (to party!)“

Daniel mit dem Team

 

Und dieser Artikel des Drugcom-Newsletters interessiert uns diesen Monat:

Süchtig nach Zucker?

Der Mensch braucht Nahrung, um zu überleben. Doch zweifelsohne essen manche Menschen mehr als ihnen guttut. Zucker scheint hierbei eine besondere Rolle zu spielen. Kann man womöglich süchtig werden von Zucker? In der Forschung wird kontrovers darüber diskutiert.

Die Menschheit hat ein Problem: Sie wird immer dicker. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat sich der Anteil der stark übergewichtigen Weltbevölkerung seit 1975 fast verdreifacht. Nicht nur in den Industrieländern nehmen Übergewicht und Fettleibigkeit zu, auch Entwicklungsländer sind zunehmend davon betroffen. Übergewicht trägt jedoch maßgeblich zu einer Reihe von lebensverkürzenden Erkrankungen bei wie Diabetes, Herz-Kreislauferkrankungen und Krebs. Zwar gibt es immer noch Hunger auf der Welt, aber inzwischen sterben weltweit mehr Menschen vorzeitig an den Folgen von Übergewicht als an Unterernährung.

Unausgeglichene Energiebilanz

Der Hauptgrund für Übergewicht dürfte in den meisten Fällen eine unausgeglichene Energiebilanz sein. Wer mehr Kalorien zu sich nimmt, als durch körperliche Aktivität verbrennt, nimmt in der Regel zu. Doch warum ist die Energiebilanz der Menschen ausgerechnet in den letzten Jahrzehnten so aus dem Ruder geraten? Über die Gründe hierfür gibt es verschiedene Annahmen. Ein Forschungsteam um Studienleiter Pedro Rada hat die derzeit etablierten Theorien zu diesem Thema in einem wissenschaftlichen Review zusammengetragen. Demnach gibt es im Wesentlichen zwei Theorien.

Eine Theorie geht davon aus, dass vor allem ein inaktiver Lebensstil verantwortlich ist für die Zunahme von Übergewicht in der Bevölkerung. Demzufolge gibt es einen direkten Zusammenhang zwischen körperlicher Inaktivität und der Verbreitung des Fernsehens bzw. dem Gebrauch von Computern und Smartphones sowie der Nutzung von Transportmitteln wie dem Auto. Einer zweiten Theorie zufolge sei eher die verstärkte Verfügbarkeit von günstigen und zumeist industriell verarbeiteten Lebensmitteln die Ursache für den Kalorienüberschuss.

So habe sich die Ernährung in den letzten Jahrzehnten gewandelt. Statt selbst zu kochen, würden die Menschen immer häufiger Fertiglebensmittel essen. Lebensmittelkonzerne würden jedes Jahr tausende von neu konzipierten Nahrungsprodukten auf den Markt bringen. Durch den Zusatz von raffiniertem Zucker und Fett würden sich die industriell hergestellten Produkte im Vergleich zu unverarbeiteten Lebensmitteln aber oftmals durch eine höhere Energiedichte auszeichnen, enthalten also vergleichsweise viele Kalorien.

Evolutionäres Erbe

Gleichzeitig müsse unser evolutionäres Erbe aus der Zeit der Jäger und Sammler bedacht werden, das unser Essverhalten bis heute beeinflusst. Über Tausende von Jahren mussten sich die Menschen mit einer unsicheren Nahrungsversorgung arrangieren. Das Anlegen von Körperfett war vermutlich eine überlebensnotwendige Strategie des Menschen, um sich vor zukünftigen Hungersnöten zu wappnen. Lange Zeit dürfte es daher von Vorteil gewesen sein, süße Pflanzen möglichst schnell und in großer Menge zu verspeisen, bevor jemand anderes es tut. Denn für gewöhnlich waren solche besonders zuckerhaltigen Angebote eher selten in der Natur anzutreffen.

In der heutigen Zeit sieht die Situation jedoch ganz anders aus. Vor allem in den Industrieländern gibt es keinen Mangel an ausreichender Nahrung. Im Gegenteil. Wir leben in einer Zeit des Überangebots. Der menschliche Instinkt, Hochkalorisches wie beispielsweise Schokolade oder Backwaren im Übermaß zu essen, funktioniert allerdings immer noch. Aber ist es zulässig, Zucker als ein Suchtmittel zu bezeichnen und ihn damit mehr oder weniger gleichzusetzen mit Drogen wie Cannabis oder Kokain?

Zucker aktiviert Belohnungssystem

Studien zufolge können schmackhafte Speisen das Belohnungssystem in unserem Gehirn ähnlich aktivieren wie Drogen. Der Hirnbotenstoff Dopamin spielt hierbei eine wichtige Rolle, da er positive Gefühle auslösen kann. Bildgebende Verfahren haben Hinweise dafür geliefert, dass die Rezeptoren für Dopamin bei übergewichtigen Menschen weniger sensibel reagieren. Diese Personen könnten daher dazu neigen, mehr und vor allem zuckerhaltige Lebensmittel zu essen, um die geringere Sensibilität für Dopamin auszugleichen.

Allerdings wirken Nahrungsmittel anders auf das Dopaminsystem als Drogen. Essen kann zwar die Dopaminausschüttung anregen, diese nimmt aber während des Essens ab. Gleichzeitig nimmt die Konzentration des Botenstoffs Acetylcholin zu, was uns Sättigung vermittelt. Drogen regen hingegen nicht nur die Dopaminausschüttung an, sie können zudem die Wiederaufnahme von Dopamin blockieren. Dies führt zu einer besonders starken und langanhaltenden Signalübertragung, was euphorische Gefühle bei den Konsumierenden auslösen kann.

Kriterien für Sucht

Dennoch stellt sich die Frage, ob speziell Zucker nicht doch als Suchtstoff bezeichnet werden kann. Auch wenn sich keine Euphorie beim Konsum gezuckerter Nahrungsmittel einstellt, haben wir Menschen doch zweifelsohne eine Vorliebe für Zucker. Während im Volksmund gerne mal von einer Sucht gesprochen wird, wenn wir etwas besonders gerne tun und nur schwer die Finger davon lassen können, müssen im medizinischen Sinne allerdings eine Reihe von Kriterien erfüllt sein. Welche genau, dass wird in den offiziellen Diagnosesystemen DSM-5 oder ICD-10 definiert. Genau genommen wird dann nicht von einer Sucht, sondern von einer Abhängigkeit oder Substanzgebrauchsstörung gesprochen.

Es gibt eine Reihe von Tierexperimenten, in denen getestet wurde, welche Kriterien für eine Abhängigkeit bei Zucker zutreffend sind. In den Experimenten wurden meist Ratten oder Mäuse darauf trainiert Zuckerlösungen zu trinken. Dabei konnte festgestellt werden, dass unter bestimmten Bedingungen tatsächlich einige Abhängigkeitskriterien zuzutreffen scheinen. So konnte gezeigt werden, dass die Tiere in den Versuchen dazu neigen, ihren Zuckerkonsum zu steigern, was für eine Toleranzentwicklung spricht.

Ein wichtiger Aspekt abhängigen Verhaltens ist der fortgesetzte Konsum trotz schädlicher Folgen. Beispielsweise hatten Mäuse in einem Experiment eine Schwäche für Schokolade entwickelt und behielten diese Vorliebe auch dann noch bei, wenn sie Elektroschocks dafür in Kauf nehmen mussten. Insgesamt fanden sich Belege für fünf von elf Kriterien, die im DSM-5 eine Substanzgebrauchsstörung kennzeichnen. Diese umfassen Kontrollverlust, Craving, Konsum trotz schädlicher Folgen, Toleranzentwicklung und Entzugssymptome.

Rado und sein Team halten die Existenz einer Zuckersucht daher für wahrscheinlich. Aus evolutionärer Sicht sei eine Vorliebe für zuckerhaltige Nahrungsmitteln auch durchaus sinnvoll. Der Instinkt für Süßes sei nur in der heutigen Zeit leider nicht mehr funktional und würde zu gesundheitsschädlichem Übergewicht führen.

Kritik an der Einstufung von Zucker als Suchtmittel

Allerdings gibt es auch skeptische Stimmen in der Fachwelt. In einer anderen wissenschaftlichen Übersichtsarbeit zum Thema Zuckersucht argumentiert ein Forschungsteam um Studienleiter Hisham Ziauddeen von der University of Cambridge, dass die Tierexperimente meist nur unter sehr speziellen Bedingungen süchtiges Verhalten nachweisen konnten.

Nur im Rahmen von so genannten intermittierenden Versuchsbedingungen, bei denen die Tiere lediglich innerhalb bestimmter zeitlicher Intervalle Zugang zu Zucker haben, zeige ihr Verhalten suchtähnliche Züge. Haben die Tiere dauerhaft freien Zugang, sei keine Suchtentwicklung erkennbar. Werde den Tieren hingegen eine klassische Droge wie Kokain geboten, reiche es, die Substanz zur freien Verfügung bereitzustellen, um süchtiges Verhalten bei den Tieren auszulösen.

Kritisiert wurde auch, dass für die Versuche nur solche Tiere verwendet wurden, bei denen zuvor getestet wurde, dass sie auf Süßes reagieren. Studien zum Suchtpotential von Drogen werden für gewöhnlich jedoch mit Tieren durchgeführt, die zuvor keinerlei Erfahrung mit Drogen haben.

Ziauddeen und sein Team erklären, dass es bislang nur wenige Studien mit Menschen zum Thema Zucker gibt. In der Regel würden Menschen auch keinen Zucker in Reinform essen. Die meisten Studien würden sich mehr auf eine allgemeine Nahrungsmittelsucht beziehen, die im englischen als Food Addiction bezeichnet wird. In diesem Zusammenhang wurde mit der Yale Food Addiction Scale (YFAS) ein spezieller Test entwickelt, der sich an den Kriterien des DSM-5 orientiert.

Der Test bezieht sich nicht nur auf süße Nahrungsmittel wie Eiscreme, Schokolade und gesüßte Limonaden, sondern auch auf salzige Snacks wie Chips und Cracker, fettige Lebensmittel wie Pommes Frites oder stärkehaltige Produkte wie Weißbrot und Pasta. Allerdings sei noch umstritten, ob mit der Yale Food Addiction Scale tatsächlich eine Sucht nach bestimmten Nahrungsmitteln erfasst wird oder nicht doch andere Essstörungen wie Bulimie oder eine Binge-Eating-Störung.

Generell müsse nach Einschätzung von Ziauddeen und seinem Team davon ausgegangen werden, dass Übergewicht in der Bevölkerung vermutlich ein vielschichtiges Problem sei. Zucker als Hauptursache hierfür verantwortlich zu machen sei zu eng gefasst. Es gäbe zwar viele gute Gründe, den Zuckerkonsum zu reduzieren, aber die wissenschaftliche Basis für eine Zuckersucht sei noch zu dünn.

Fazit

In den letzten vier Jahrzehnten ist der Anteil übergewichtiger Menschen weltweit vergleichsweise stark gestiegen. Als Ursachen werden sowohl eine abnehmende körperliche Aktivität der Menschen als auch die zunehmende Verbreitung industriell verarbeiteter Lebensmittel genannt. Insbesondere die verbreitete Vorliebe für gezuckerte Lebensmittel könne dabei eine Rolle spielen. In der Forschung wurden Vergleiche zwischen der Wirkung von Zucker und Drogen auf den Organismus angestellt. So konnte in Tierstudien unter bestimmten Bedingungen nachgewiesen werden, dass Ratten und Mäuse ein süchtiges Verhalten an den Tag legen, wenn sie Zugang zu Zucker haben.

Kritische Stimmen weisen aber darauf hin, dass Drogen eine viel stärkere Wirkung auf das Belohnungssystem haben und auch keinem Sättigungsprinzip unterliegen. Auch wenn die Vorliebe für zuckerhaltige Nahrungsmittel im Volksmund gerne mal als Sucht bezeichnet wird, die Datenlage sei aus wissenschaftlicher Sicht noch viel zu dünn, um Zucker tatsächlich als suchterzeugend bezeichnen zu können. Allerdings sind auch Kritiker davon überzeugt, dass es gesünder ist, sich beim Konsum von Zucker zu mäßigen.

Quellen:

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